ein dickes dingdarstellungsfehler im pdf beim kleinen l
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"Das ist ja ein dickes Ding!" oder: Darstellungsfehler im PDF beim kleinen 'L'


Fast jeder Gestalter musste sich sicher schon einmal folgenden Ausruf seines Auftraggebers anhören, nachdem er ihm PDF-Dateien zur End­kon­trolle geschickt hatte, deren Schriften zuvor in Pfade gewan­delt worden waren: "Alle kleinen 'L'-Zeichen sehen so komisch fett aus – das kann ich so nicht abnehmen!"

Keine Sorge:

Das ist eine reine Darstellungssache! Lesen Sie den folgenden Artikel um mehr über die Hintergründe zu erfahren.


Was bedeutet "in Pfade gewandelt"?

Unter gewissen Umständen ist es nicht vermeidbar, die Schriften in einem PDF in Kurven/Pfade umzuwandeln um das Druckergebnis nicht zu gefährden. Zum Beispiel wenn das Einbetten der Schriften aus lizenzrechtlichen Gründen nicht erlaubt ist oder die Schrift im ausgegebenen PDF zu Fehlern führt. Bei der Umwandlung in Pfade werden die geometrischen Informationen aus der Schriftdatei (z.B. ttf) verwendet um Grafiken zu erzeugen, welche die Darstellung der Buch­staben übernehmen. Die Umwandlung in Pfade bringt allerdings einige Probleme mit sich, die wir hier ansprechen wollen.


Nachteile eines PDFs bei dem die Schriften in Pfade gewandelt wurden:

  • mit einem sogenannten 'gepfadeten PDF' ist es erheblich schwieriger Textkorrekturen durchzuführen, während eine Korrektur an einzelnen Buchstaben bei einem PDF mit vollständig eingebetteten Schriften meist keine Probleme bereitet.
  • die Datenmenge eines 'gepfadeten PDFs' ist größer als die eines 'nicht gepfadeten PDFs'. Insbesondere kann dies bei längeren Druckwerken, wie z. B. bei Broschüren, die Datenmenge immens vergrößern.
  • das PDF kann nicht mehr nach Text durchsucht werden – auch eine Indizierung des Dokuments von Suchmaschinen ist unmöglich.
  • die Text-Extraktion, z.B. für eine Rechtschreibkontrolle oder zur Ausgabe auf Screenreadern, ist nicht mehr möglich. Da der Text nur noch als Grafik vorliegt, kann er nicht mehr extrahiert werden. Moderne eBook-Reader mit Reflowfunktion sind damit ebenso außen vor wie Blinde mit entsprechenden Braillegeräten.
  • die Darstellung von Schriften am Bildschirm profitiert nicht mehr vom Hinting (siehe nachfolgenden Abschnitt)

Kleiner Exkurs: Bildschirmdarstellung von Schriften

Der Bildschirm hat – im Vergleich zu Druck – eine sehr geringe Auflösung von 75 bis 100 dpi. Da die Genauigkeit der Darstellung nicht hoch ist, kommt es unweigerlich zu Rundungsfehlern. Um diesen Fehlern vor­zu­beu­gen werden Schrift am Computer mit sogenannten Hinting (Hinweisen) auf gute Bild­schirm­dar­stellung optimiert. Damit werden Lesbarkeit, Buchstabenabstände, Dickten und Zeilen­aus­rich­tungen ver­bessert und natürlich, ganz wichtig, die Symmetrie verbessert.


Bewegen Sie die Maus auf das Bild um den Unterschied zu sehen


Wird die Schrift jetzt in eine Grafik (Pfade) verwandelt entfallen diese Hinweise und die Rundungsfehler treten stärker zu Tage.


Bewegen Sie die Maus auf das Bild um den Effekt zu sehen


Wieso wird der Buchstabe 'L' fetter dargestellt?

Das allein erklärt aber nicht, warum gerade das kleine 'l' betroffen ist: Acrobat, wie übrigens viele andere Programme zur PDF-Darstellung, besitzt eine Einstellung um dünne Linien stärker darzustellen. Damit will man eigentlich genau der Rundungsproblematik bei Grafiken entgegenwirken. Bei gewandelten Schriften ist das allerdings kontraproduktiv. Die Linie des kleinen 'l' wird stärker dargestellt und fällt damit völlig aus dem Rahmen.

Wie kann man die fehlerhafte Darstellung vermeiden?

Somit sind wir der Lösung des Problems schon ganz nahe: Öffnet man in den Voreinstellungen (Strg + K / Apfel + K) die Abteilung Seitenanzeige, kann man den Haken bei der Checkbox 'Dünne Linien deutlicher darstellen' entfernen und die entsprechenden Buchstaben werden wieder 'normal stark' angezeigt.



Bewegen Sie die Maus auf das Bild um die Auswirkung der Einstellung zu sehen

FAZIT:

Der 'Fehler' in der Bildschirmdarstellung hat nichts mit dem Druckergebnis zu tun, denn hier werden die ent­sprechen­den Buch­sta­ben richtig ab­gebil­delt. Somit brauchen Sie definitiv keine Angst vor 'dicken Dingern' zu haben.


Und es pfadet doch!

Ein sinnvoller und verständlicher Einsatzzweck der Umwandlung von Schrift in Grafik sind Logografiken, welche zum Platzieren in Layout­pro­grammen erstellt werden. Dort spielen Textkorrekturen keine Rolle und der Text muss nicht extrahiert werden. Außerdem werden diese Dateien häufig nicht als PDF sondern als EPS gespeichert. Mit der Umwandlung von Schriften im Logo in Pfade/Zeichenwege wird umgangen, dass die Schriftdatei für die Ausgabe der Druckdatei benötigt wird. Es bleibt aber das oben beschriebene Darstellungsproblem. Für diesen Fall gibt es einen anderen Lösungsansatz, der auch in PDF-Viewern funktioniert, die die genannte Einstellungsmöglichkeit nicht bieten:

Lösung:

Man fügt einfach in die Vektorform einen weiteren Punkt ein – schon wird das Element nicht mehr als Linie und damit auch nicht mehr fetter interpretiert.


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